Jonas Reif: CityTrop

CityTrop (Buchcover)
Jonas Reif: CityTrop

Kaum jemand aus einem normalen Berufsfeld wird sich vorstellen können, dass es Menschen gibt, die ins Ausland reisen, um sich dort unter anderem öffentliches Grün, wie zum Beispiel bepflanzte Verkehrsinseln anzusehen.
Das Land der Leitkultur, der Romantik und der Autobahnen ist in Wahrheit – und da täuschen und trösten uns auch sämtliche Gartenzwerge nicht hinweg – eher ein Entwicklungsland, wenn es um Gartenkultur oder konkret hier: das Grün im urbanen Raum geht. Zum Zählen der Gegenbeispiele reichen die zwei Hände eines Sprengmeisters aus.

Plädoyer für ‚anderes‘ Stadtgrün

Jonas Reif klagt nicht groß herum. Der Autor von Blackbox Gardening beschreitet den affirmativen Weg und reist um die Welt (und nach Düsseldorf 😉 ), um Beispiele für die Vision grünerer Städte zu entdecken. Von diesen handelt sein neustes Buch CityTrop, erschienen bei Ulmer. Zu seinen eigenen Erfahrungen über Coppicing, Spontanvegetation und selbstversamende Pflanzen gesellt sich eine weitere Erkenntnis und ein „Plädoyer für ‚anderes‘ Stadtgrün“: ‚Heimische‘ Gewächse gedeihen regelmäßig nicht im Lebensbereich ‚versalzene und mit Hundeurin gesättigte Hochhausschlucht mit starker Überhitzung in Sommermonaten‘. Spätestens hier wird klar, was das Trop im Buchtitel verloren hat. Es sind die fremden, oft tropischen Pflanzen, die sich besonders für die Begrünung in den Städten eignen und mit dem dort herrschenden Klima gut zurecht kommen. Einige dieser Pflanzen werden im hinteren Teil in Form von Porträts vorgestellt, wobei auch näher auf ihre Verwendung unter urbanen Standortbedingungen eingegangen wird.

Von Vorbildern zu Konzepten

Der Teil Best Practice ähnelt etwas einem Reisemagazin, dass zahlreiche und facettenreiche Beispiele für Pflanzen in der Stadt vorstellt. Vom mexikanischen Wüsten-Dachgarten in Paris, über einen Steppengarten auf dem Dach eines Institutes bei Wien, Hinterhöfe in Berlin, Güterbahntrassen in New York, Parkplätze in Düsseldorf, Firmensitze in der Schweiz oder Bahnstationen in London. Es existiert eine faszinierende Vielfalt an Vorbildern und interessanten Konzepten, in technischer, besonders in ästhetischer wie auch in sozialer Hinsicht, die Jonas Reif hier beleuchtet.

Wer jetzt glaubt, CityTrop sei nur etwas für die Gewerke der Grünflächen in bebautem Kontext, übersieht, welche Bereicherung Wissen und Erfahrungen aus Grenzbereichen des Gärtnerns für andere ‚Gartenbereiche‘ bedeuten kann. So widmet sich Reif vielen interessanten und extremen Naturräumen, um zu erläutern, wie sie als Vorbilder dienten und dienen könnten. Wären die Green Walls denkbar ohne eine Betrachtung des Bewuchs von Steilhängen? Und auch die Stadt selber kann zum Vorbild werden, wenn Erfahrungen aus der Beobachtung von Spontanbewuchs auf offenen Stellen in die Planung einfließen.

CityTrop lässt hoffen

Ich selber glaube – oder kokettiere zumindest damit – nicht an ein Leben in der Stadt, wo Konzentration zum alles durchdringenden Konzept wird und grüne oder andere Zwischen-Räume unheimlich wertvoll werden und verschwenderisch, fast dekadent wirken. Die alles infrage stellende Gesellschaft wird sich in Zukunft immer häufiger fragen, ob sie das Leben in der Stadt auch weiterhin subventionieren wird oder sich abwendet, wie die Katholische Kirche jüngst von ihrer Kernkompetenz des Prunks.
Die zahlreichen Anregungen und Beispiele aus CityTrop lassen mich daran nun etwas zweifeln, denn grünere und damit lebenswertere und nicht zuletzt gesündere Städte sind möglich. Insbesondere wenn man sich von den traditionellen Parks mit ihren hohen Unterhaltskosten etwas entfernt und den zahlreichen Nischen widmet.

Es ist ein Vergnügen, dieses Buch in nur einer Nacht zu verschlingen.

Jonas Reif: CityTrop. Projekte und Pflanzen für grünere Städte von morgen
2017. 192 S., 203 Farbfotos, Flexcover.
ISBN 978-3-8001-0306-5
€ 29,90

Buch direkt beim Verlag bestellen.

PS: Jonas Reif schrieb übrigens das Vorwort zu Avantgardening.

Jonas Reif/IGA 2017 Berlin
Jonas Reif/IGA 2017 Berlin

CityTrop ist nicht nur ein Buch. Es soll zur eigenen Marke werden, die sich konstruktiv mit einem eigenen „CityTrop“-Garten bei der IGA 2017 in Berlin präsentiert. Durchaus ein guter Grund für einen Besuch.

Frühjahrs-Gartentage – LVHS Freckenhorst

Vom 24. bis zum 26. April 2017 finden in der Katholischen Landvolkshochschule Schorlemer Alst Freckenhorst die Frühjahrs-Gartentage statt, einem Seminar unter der Leitung von Dipl.-Ing. Gartenbau Anja Birne.

Weitere Referentinnen der Gartentage sind Diplomingenieurin (FH) Gartenbau Bärbel Steinberger aus Leiblfing, Dipl.-Ing. Brigitte Röde aus Köln und Torsten Matschiess, der dort drei Vorträge über Beschleunigtes Gärtnern, Gegenwärtiges Gärtnern und Lieblingspflanzen hält.

Weitere Informationen auf den Seiten der LVHS Freckenhorst.

Avantgardening

AvantgardeningNun ist es offiziell:

Am 19. Januar 2017 erscheint mein erstes Gartenbuch im Verlag Eugen Ulmer.

Avantgardening
Plädoyer für gegenwärtiges Gärtnern

192 Seiten
119 Farbfotos von Jürgen Becker
Flexcover
ISBN 978-3-8001-0872-5
€ 29,90

Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten des Verlags.

#KnötterMe

Bistorta amplexicaulis Rowden Gem
Bistorta amplexicaulis ‚Rowden Gem‘

Unsere Heimatstadt Brüggen hat es gerade nicht leicht. Wer aktuell zum Beispiel bei Bild.de nach positiven Schlagzeiten über Brüggen sucht, findet dort wenig Erfreuliches, einen Beitrag über den Naturpark Schwalm-Nette und einen über Knöteriche:
www.bild.de/…/was-der-knoeterich-im-garten-kann…

Der Knöterich, genauer die Knöteriche haben es uns angetan. Jüngst durfte ich der DPA (Deutsche Presse-Agentur) ein Interview zum Thema geben. Das hat dann doch ganz schön die Runde gemacht:

A – L

aachener-zeitung.deabendblatt.deaugsburger-allgemeine.deazonline.deberlin.deberliner-zeitung.deberlinonline.debild.deborkenerzeitung.debuerstaedter-zeitung.dedzonline.deecho-online.defnp.defocus.degelnhaeuser-tageblatt.degeneral-anzeiger-bonn.degiessener-anzeiger.dekreis-anzeiger.deksta.delauterbacher-anzeiger.delr-online.de

M – Z

mainpost.demerkur.demittelbayerische.demz-web.den24.denwzonline.deoberhessische-zeitung.de – rhein-main-presse.dernz.deruesselsheimer-echo.deruhrnachrichten.derundschau-online.desaarbruecker-zeitung.desol.desueddeutsche.deusinger-anzeiger.devolksfreund.de – volksstimme.deweser-kurier.de –  westline.de –  wiesbadener-kurier.dewn.dewww.wz.de

Grünes Engagement oder Kunst

Christian Meyer, der sich in der aktuellen Berichterstattung als „Gartenpate“ (Anführungszeichen von mir.) diffamiert  und dickköpfiger  Einzeltäter beschrieben findet, ist vielen als Pflanzplaner für unzählige Gartenschauen bekannt; daneben auch für seinen Gastbeitrag hier im Blog: Schätze niederrheinischer Gartenkunst.

Eines seiner zahlreichen Projekte wird auf der Seite Imwestenberlins.de als „ein mit Stauden bewachsenes Dreieck vor der Bushaltestelle Olivaer Platz für Fahrten in Richtung Bahnhof Zoo.“ beschrieben. Wir sind in Berlin und gemeint ist seine Pflanzung am Olivaer Platz, die er seit 19 Jahren ehrenamtlich pflegt und unterhält. Er nutzt sie auch zu Werbezwecken. Sie soll nun im Rahmen eines „Kunstprojektes“ (Anführungszeichen von mir.) einem Kunstwerk weichen, das bisher unter Design labelte und als Tischleuchte diente.

Bei diesem Sachverhalt spielen Religion und die Geschichte keine Rolle. Sie könnten allerdings vom eigentlichen Problem ablenken. Den Beteiligten ist es bisher offensichtlich nicht gelungen, das bereits vorhandene Kunstwerk als solches zu erkennen. Es tarnt sich nämlich als Oase, als eine Affirmation des Lebendigen, als kontinuierliche Schöpfung in einer technischen Umgebung. Ein Kunstwerk, dass erst durch die spürbare Abtrennung von der künstlichen, urbanen Welt als solches erfahrbar wird, selbst für Menschen, denen es an Kunstsachverstand im akademischen Sinne mangelt. Menschen können es betreten, erfahren, riechen, sehen, erleben und auch aus ihrer künstlichen Straßenbahn-, Bus-, PKW- oder Passanten-Welt heraus als solches erkennen.
Wird diese Trennung aufgehoben durch die Integration eines künstlichen, von mir aus künstlerischen, Fremdwerkes, verliert das ursprüngliche Werk seinen Charakter als Kunstwerk und verkommt zum dekorativen Beiwerk. Was wie ein Kompromiss klingt, käme einer Zerstörung des vorhandenen Werkes gleich. Zumindest für Menschen, welche auch Gartenkunst unter den Begriff der Kunst subsumieren und damit bereit sind, dieser ihren Schutz zu gewähren.

Werden wir es noch erleben, dass die Pflanzkunst nicht nur Einlass in die Benutzerwörterbücher von Textverarbeitungsprogrammen findet, was aktuell nicht der Fall ist, und ihre Werke endlich als Kunst verstanden werden und Anerkennung finden?

Sie verdienen Integrität, Achtung und Schutz.

Hoffentlich verliert Herr Meyer durch diese Übergriffigkeit nicht seinen Humor. Den würde ich sehr vermissen.

Hier ein kurze Dokumentation der DGGL über den Einzug der Gräser an den Ku’dam.