Schattenstauden. Die dunkle Seite Ihres Gartens

Buch-Cover von Schattenstauden. Die dunkle Seite Ihres Gartens„Schatten? Ist doch einfach zu bepflanzen!“ Dieser Ansicht sind viele Gartenplaner, bei denen Massenpflanzungen von Dreiblättriger Waldsteinie, Bergwald-Storchschnabel, Funkien, Immergrün oder Bergenien das höchste der Gefühle – und gerne auch des Budgets – sind. Katrin Lugerbauer erwähnt diese Stauden in ihrem neuen Buch Schattenstauden immerhin. Einige davon zusammen mit Akelei im kurzen Kapitel über ‚Unkräuter‘ [sic!]. Ihr Fokus liegt aber eindeutig auf Vielfalt, einer gut abgestimmten, harmonischen, die bei aller Feindynamik auch den Mut zur Üppigkeit wagt.

Gartenkultur im Dunkeln

Sie propagiert ästhetische, aber keine nur den Naturstandort nachahmenden Pflanzungen. Ihre Beispiele zeigen gärtnerische Vielfalt und Pflanzenbilder, die so nur in Gartenkultur entstehen können. Eine sehr reiche Gartenkultur.  (Ihre auch räumliche Nähe zu Christian Kreß, SARASTRO Stauden, verheimlicht sie nicht. Aber wahrscheinlich fördert ihre eigene Aktivität schon reichlich Staudenbegeisterung bei ihren Followern zutage.)
Dabei illustrieren ihre Fotografien hervorragend, dass botanische Vielfalt nicht im Garten einer typischen Sammlerin münden muss. Sammeln als Leidenschaft, die viele Menschen packt, die einmal die Vielfalt im Staudensortiment für sich entdeckt haben, macht längst noch keine gute Planerin oder zeichnet den Gestalter aus. Erst die Komposition, eine standortgerechte Pflanzenverwendung und Kenntnisse über die langfristigen Bedürfnisse der Stauden ermöglichen ästhetische und langlebige Staudenbeete. Diesen oft anzutreffenden Spagat zwischen Vielfalt und Ästhetik leugnet Katrin Lugerbauer nicht. Sie meistert ihn.

Von Kontinenten und Standorten

Was mir so richtig gut an ihrem Buch gefallen hat, sind die kurzen Einführungen zu den Besonderheiten der Wälder auf verschiedenen Kontinenten. Wer nach der Lektüre von Schattenstauden immer noch Laubmulch aus den Beeten der Nordamerikaner entfernt, ist eh verloren. Daneben erklärt sie auch kurz alle andern Faktoren zum Standort Schatten, wie Boden, Luftfeuchtigkeit oder Düngung, was den Zugang auch für Gartennovizen erleichtert.

Staudenpraxis

Ein eigenes Kapitel widmet sich dem Thema des Staudenbeetes von der Planung bis zur Pflege. Auch hier fällt auf, dass sie nicht die sonst so üblichen oberflächlichen Allgemeinplätze belegt, sondern Wissen und Expertise achtet, vermittelt und auch vom Leser als künftigen Schattengärtner erwartet. Schattenstauden vermittelt das notwendige Wissen und unterbreitet Vorschläge für Beete inklusive der Pflanzpläne. Trotz der Vorstellung eines sehr breiten Sortimentes und einer hohen Informationsdichte bleibt ihr Schreibstil immer vermittelnd, elegant und didaktisch, aber nie belehrend.
Ein Punkt kommt mir in fast allen Büchern über Schattengärten, so auch hier, zu kurz: Wie entwickelt sich dieser Gartenbereich mit noch jungen Gehölzen über die Jahre, wenn der Schatten langsam zunimmt.

Gartendeko

Ihre Fotografie ist eigenständig, immer auf die Pflanze oder die Komposition bezogen und offenbart gelegentlich auch Stimmungen und Gesamtsituationen, die schon außergewöhnlich sind. Sie fotografi ert mit einem ästhetischen Bild und einem Ideal vom Garten und den Pflanzen, ohne der sonst so üblichen Bildbearbeitung überhaupt Beachtung zu schenken. Dabei ist ihr Blick frei von Kitsch, und Dekoelemente sucht frau auf ihren Fotos vergeblich. Wie in der anspruchsvollen Floristik ist die Pflanze das und ein vollkommenes Gestaltungselement.

Katrin Lugerbauer: Schattenstauden. Die dunkle Seite Ihres Gartens ist 2017 im Verlag Eugen Ulmer erschienen und kostet € 24,90.
Erhältlich ist es im lokalen Buchhandel ISBN 978-3-8001-0831-2 oder direkt beim Verlag.

Auch Ihr Blog hardy-geranium.blogspot.de sei hier empfohlen.