Treten Sie bitte zurück! Offener Brief an den Herrn Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft

Lieber Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, lieber Herr Christan Schmidt,

es gibt da diesen Witz, und eigentlich ist es nur ein Spruch, wie die eigene Antwort auf eine selbst in den Raum gestellte Frage, den sich mit Macht kokettierende Menschen gerne erzählen, wenn sie es kaum übers mittlere Management aber längst über die 44 hinaus geschafft haben: „Wisst ihr, warum ich für die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat gestimmt habe?“ Dramaturgische Pause und Schweigen. „Weil ich es kann!“
Ich weiß nicht, wie das so in ihrer Peergroup oder im Polit-Business gehandhabt wird. Gibt man sich unter Atlantikern noch High five oder schon die Assifaust?

Was mich allerdings wirklich beunruhigt, wäre eine Ressourcenverschwendung. Sie kämpfen ja auch gegen „Nährstoffverluste in die Umwelt“ und versprechen „den Landwirten machbare Regelungen an die Hand zu geben“. Da gilt es doch auch, Potentiale bei der Nahrungsmittelproduktion zu erkennen. Gerade auch, wenn es um das am wenigsten giftige Totalherbizid der amerikanischen Freunde geht. Wie viel Diesel spart der Bauer, wenn er dank integriertem Pflanzenschutz weniger pflügen muss? Und wie hoch ist alleine das Einsparpotential beim Personal? Und haben Sie sich einmal gefragt, wie hoch das Delta zwischen Verbot und 5 Jahren Laufzeitverlängerung für Monsanto und seine Lizenznehmer ausfällt? In jedem anderen Land, dass im Korruptionswahrnehmungsindex unter uns liegt, wie zum Beispiel Österreich, Belgien, Polen, Kuba, die Vereinigten Staaten oder Botswana, hätte ich Sorge, dass ein Minister die Hand aufhält, um sich, seine Leute oder sein Land mit Mitteln des Begünstigten zu versorgen, egal ob Posten, Cash oder Fabriken. Lassen wir bei dieser Betrachtung bitte einmal solche Fragen, wie nach der Strafbarkeit oder gar der Moral außen vor. Die Frage ist doch eher: lohnt es sich?

Ich habe nicht einen Funken Zweifel, dass Sie diese Entscheidung ohne jeden Vorteil für sich oder andere daraus zu ziehen, getroffen haben.

Der Rest der Welt glaubt Ihnen das aber nicht. Denen fehlt die Phantasie, dass jemand es nur mit seinen lieben Bauern gut meinen könnte.
Und da liegt das Problem: Sie haben die Ressource Vertrauen in die Politik in einer Qualität wie auch Quantität zerstört, wie es Ihnen wohl noch gar nicht bewusst ist. Mit Ihrem regelwidrigen und letztlich verantwortungslosen Verhalten haben sie dieses Land, wie eine käufliche Bananenrepublik aussehen lassen, wie einen Spielball US-amerikanischer Unternehmen, die nur auf einen günstigen Augenblick gewartet haben.

Treten Sie bitte zurück!

Mit besten Wünschen
Torsten Matschiess

PS: Ersatzweise fordere ich unsere verehrte Bundeskanzlerin, Frau Angela Merkel auf, den Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Herrn Christan Schmidt mit sofortiger Wirkung aus seinem Amt zu entlassen.