Zu Besuch in Erfurt beim MDR Garten

Ich motze ja gelegentlich darüber, dass Gartenkultur in den Medien zumeist uninspiriert, stereotyp und oft nur als Freakshow inszeniert wird. Wenn überhaupt!
Das TV zeigt uns Schlossbesitzer, die sämtliche Mittel im Kampf gegen den Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis) und das Buchsbaum-Triebsterben (verursacht durch den Pilz Cylindrocladium buxicola) verloren haben. Im nächsten Beitrag zelebrieren sie dann Stiefmütterchen-Rabatten als Neu-Prunk. Kleingärtner kommen besonders schlecht weg und werden ständig als Spießer inszeniert oder als sehr ernsthafte Neo-Spießer, die wie Hippster aussehen. Und dann gibt es die Gartenratgeber mit ihren immer gleichen Antworten auf die auffallend gleichen Zuschauerfragen „Wann muss ich meinen Rhododendron/meine Azalee/meinen Buchs schneiden?“ (Richtige Antwort: Nie!) oder „Wie oft muss ich meinen Rasen düngen?“ (Richtige Antwort: Nie, wenn Sie einen Mulchmäher verwenden, öfter mähen und das Schnittgut liegen lassen.) …

 

Dann gibt es ein paar gelegentliche Lichtblicke in Formaten, wie Querbeet vom BR, Mein grüner Daumen auf SWR, Gartenzeit auf RBB oder unregelmäßige Formate auf arte und 3sat. Die Privaten sind hier und da mal für eine Überraschung gut, aber leider viel zu selten, um regelmäßigen Konsum zu rechtfertigen. Der penetrante Geruch von Horse-Race und Competition wabert ja schon zu den Gebührenfinanzierten durch.
Es ist ja schon viel gewonnen, wenn Themen, Gäste und Zuschauer mit Respekt und letztere nicht wie debile Kleinkinder behandelt werden. (Ich denke da an einige kaum guckbare Folgen „Hessens schönste Gärten“ zurück.)

Die Sendung MDR Garten schaue ich regelmäßig. Es ist eine bunte Mischung und wenn mir auch nicht jeder Beitrag gefällt, musste ich mich noch nie über eine Sendung aufregen. Da war es eine Freude, anlässlich ‚Avantgardening‚ zu einem Interview nach Erfurt eingeladen zu werden.

Nun ist die aktuelle Folge des MDR Gartens vom 03. September 2017 in der Mediathek abrufbar. Bitte keine Kommentare zum Beinkleid! Wer ganz ungeduldig ist, startet bei Minute 15:20, verpasst aber einen sehr interessanten Beitrag über staudige Sonnenblumen.

Hier gibt es weitere Informationen vom MDR zu Avantgardening.

Schätze Niederrheinischer Gartenkunst

Liebe Freunde der Gartenkultur,

vergangenes Wochenende haben mich die Gattung Bistorta amplexicuale und die Aussicht auf ein Treffen mit annähernd gleichgesinnten Gartenfreunden mal wieder an den Niederrhein gezogen. Doch der Wohlstand der Menschen dort lässt mich die Armut Brandenburgs und im Speziellen die hier unterentwickelte private Gartenkultur in einem ganz anderem, freundlicheren Licht erscheinen.

Vor rd. 30 Jahren gab es das wunderbare Buch ‚Grün kaputt – Landschaft und Gärten der Deutschen‘ und als Kulturpessimist muß man heute zufrieden feststellen: Es hat nichts genutzt! Trotz Ökogedöns ist alles nur noch schlimmer geworden – was wir aber durch unser tägliches Geschäft ohnehin schon längst gewußt haben.

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Im sog. Informationszeitalter scheint das Wissen über Gärten völlig verloren zu gehen. Oder der unentwegte Aufenthalt vor Mattscheiben zwingt zu solch pragmatischen Umgang mit dem eigenen Vorgarten?

Da sich nun das Schicksal der Bio-Puten mit dem vergangenen Sonntag auch weitgehend erledigt hat, ist mit einer anständigen Öko-Dikatur wohl auch nicht mehr zu rechnen und es bleibt die Frage: Wie sich Genugtuung verschaffen?

Ob wohl der Ulmer-Verlag zu einer neuen Auflage ‚Grün kaputter‘ oder ähnlichem bereit wäre? Ich wäre zumindest bereit, das passende Bildmaterial zur Verfügung zu stellen.

Solidarische Grüße,
Christian

Wir danken Christian vom Büro Christian Meyer (Berlin) für seinen Gastbeitrag, seine objektive Expertise und insbesondere für nachhaltiges Bohren in offenen Wunden.