Natur vs. Garten

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Keine Nahrung ohne Insekten

Organisationen, die im Bereich Umwelt-, Naturschutz und verwandten Themen aktiv sind, investieren auch gerne in ihre Bildungsarbeit. Man gehört schließlich zu den ‚Guten‘ und je nach Temperament und religiösem Background ergibt sich die Mission fast von selbst. Gerade die Jüngsten sind dabei eine interessante Zielgruppe, da sich ihnen Wissen und Erkenntnisse viel leichter und nachhaltiger vermitteln lässt.

Immigration gefährdet heimische Lebensräume

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Eupatorium capillifolium – Schöne Staude oder potentiell invasive Art?

So lässt sich beobachten, dass bereits Grundschulkindern vermittelt wird, wie Neobiota, wahlweise verkürzend gleichgesetzt mit „Exoten“, „fremdländische Arten“, „eingeschleppte Arten“ oder „Immigranten“ (Nur das Wort „Asylanten“ fand ich bisher in keiner Quelle.), gerne als sogenannte „invasive Arten“ um „Ressourcen“ mit den (ein-)heimischen Arten konkurrieren. Gerne wird auch die Formulierung gebraucht, dass sie den „heimischen Mitbewohnern“ den „Lebensraum streitig machen“ oder zumindest „nutzlos“ seien.
In einer differenzierteren Betrachtung wird gelegentlich sogar klargestellt, dass nicht alle Neobiota invasiv sind und einigen wird sogar ein „ökologischer“ Nutzen attestiert. (Sehr lesenswert hierzu das Buch Wandernde Pflanzen von Dr. Wolf-Dieter Storl.)

Lerntransfer

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Viele einheimische Pflanzen sind gar nicht so leicht im Garten zu kultivieren: Einbeere (Paris quadrifolia)

Wer wollte nun behaupten, dass die mögliche Lerntransferleistung, eine projizierte Angst oder Feindlichkeit gegen alles Fremde, konkretes Ziel der Übung wäre oder auch nur billigend in Kauf genommen würde. In Zeiten eines real existierenden (oder verbliebenen) Kapitalismus stellen sich die gesellschaftlichen Lebensbedingungen jungen Menschen aber durchaus anders dar als noch in den vergleichsweise kuscheligen 80er Jahren.

Veronicastrum virginicum
Virginischer Ehrenpreis

Wo Kulturleistungen wie Solidarität, Schwesterlichkeit oder die Anerkennung der Würde aller Menschen neuen und durchaus einfacheren Regelwerken weichen, hat es auch der Biologismus leicht.
Auf die idealisierende und für junge Leute missverständliche Verwendung des Begriffs „Natur“, wenn eigentlich Kulturlandschaft die korrektere Wortwahl wäre – integratives Naturverständnis hin oder her – soll hier nicht weiter eingegangen werden.

Sanguisorba tenuifolia (Sämling)
Auch Immigranten aus Asien können einen ‚ökologischen Wert‘ haben.

Um etwas klar zu stellen: Dem Autor liegt es fern, Naturschützer oder die Naturgarten-Bewegung zu diffamieren, denn inhaltlich steht er ihnen nah. Allerdings tragen alle in der Bildungsarbeit Tätigen auch Verantwortung dafür, wie ihre Botschaften, Modelle der Wirklichkeit oder Begrifflichkeiten von Kindern verstanden oder eben missverstanden werden.