Die Strategietypen der Stauden

In einem bekannten Garten-Forum las ich gestern in Bezug auf  diesen Blog:

Einziger Schönheitsfehler: es werden diese abstrakten „Strategien“ übernommen, offenbar, weil sie gerade so modern sind.

Weil diese Meinung erkennbar aus berufener und von mir sonst geschätzter Feder stammt, möchte an dieser Stelle kurz etwas  erwidern. (Das benannte Forum bietet seinen Teilnehmern Synonymität, was an dieser Stelle mal respektiert werden soll.)
Die dort geäußerte Kritik an der Verwendung der Methodik der sogenannten Strategietypen lässt sich auf einen Satz verkürzen:
Sie wird als zu abstrakt für den Laien empfunden, den ja bereits die Lebensbereiche überfordern.

Das ist in etwas so, als würde man einem Fremdsprachenschüler die Grammatik vorenthalten oder auch nur die Interpunktion. Natürlich lässt sich eine Sprache auch durch Kommunikation, Praxis und Erfahrung erlernen. Allerdings vermeidet man Fehler, wenn man diese Regelwerke versteht anzuwenden.

Bezogen auf die Stauden oder Pflanzen allgemein hilft die Kenntnis von den Strategietypen konkret dabei, Pflanzfehler zu vermeiden. (Immerhin fließen in diese Angaben ja auch viele Erfahrungen ein.) Natürlich kann man die drei Aspekte dieses Systems auch getrennt betrachten. Allerdings sind diese Informationen zu einer Staude nicht minder interessant als ihr üblicher Lebensbereich in Natur und Garten. Wie viele Stauden könnten noch leben, wenn bei ihrer Pflanzung mehr Wissen verfügbar gewesen wäre?

Gerade bei der Planung langlebiger Pflanzungen ist dieses Wissen von sehr hohem Wert.
Was allerdings gerne übersehen wird: Nicht alle Angaben zu den Strategietypen lassen sich 1:1 auf die lokalen Gegebenheiten übertragen. Außerdem handelt es sich um ein Modell, das man nicht mit der Realität verwechseln sollte. Es ersetzt grundsätzlich weder ein umfangreiches Pflanzenwissen, noch persönliche Erfahrungen oder gar Intuition.

Zu den Strategietypen konkret bei Stauden möchte ich kurz auf den sehr lesenswerten Beitrag von Fine Molz und Till Hofmann  verweisen. Wer es etwas ausführlicher möchte, ist mit Neue Staudenverwendung von Norbert Kühn aus dem Ulmer-Verlag gut beraten.  Die Grundlagen bildeten in den 1970er Jahren  J. Philip Grime und Simon Pierce. Interessant auch das bereits 1979 erschienene Plant Strategies and Vegetation Processes und neueren Datums: Plant Strategies, Vegetation Processes, and Ecosystem Properties, 2nd Edition.