Christian Kreß: Meine Welt der Stauden

Christian Kreß: Meine Welt der Stauden
Christian Kreß: Meine Welt der Stauden

Ich war gespannt.
Mit wie wenig Fachtermini und Theorie wird er auskommen? Wie gibt ein Kenner seine Leidenschaft weiter, wenn sich gleich die ganze „Welt der Stauden“ drehen soll?
Was nun heraus kam, ist keine neue Systematik und nach regulären Maßstäben auch kein neues Lehrbuch. (Leider. Betrachtet man nämlich Lehrbücher – Ich hatte jüngst das Vergnügen! – so sind diese eher geeignet, das Fachliche an einen Personenkreis zu vermitteln, die besser Kaufmann, Buchhalter oder Ingenieur geworden wären. Oder sagen wir besser, irgendwas, wo Inspiration, Humor oder Schönheit kaum eine Rolle spielen.)
Christian Kress pflegt einen lockeren Erzählstil, wenn er aus dem Nähkästchen seiner Gärtnerei Sarastro-Stauden  plaudert, von deren Anfängen erzählt oder von seinen Erfahrungen berichtet. Er ist mit seinen Stauden per du und immer bereit, das Neue zu entdecken. So geht es auch seinen Lesern. Es existieren grobe Strukturen, die sich als Kapitel tarnen, aber in Wahrheit geht es um all die ganzen Anekdoten, Tipps und kleinen Geschichten, die sich oft hinter einzelnen Stauden verbergen. Man kann dieses Buch an zwei, drei Abenden verschlingen, so gut erzählt er. Es ist in einem besten Sinne unterhaltsam.
Langjährige Leser seines Newsletters werden ihn wieder erkennen, auch wenn dieses Buch alles andere als eine Zweitverwertung seiner monatlichen Rundbriefe darstellt. (Danke!) Er möchte jede und jeden abholen. Sein „Einmaleins der Staudenverwendung“ nennt die Fachbegriffe beim Namen, sogar die bösen „Strategietypen“ tauchen kurz auf, um direkt kritisch gewürdigt zu werden. Für die Praxis sei dieser Ansatz zu abstrakt und seine Anwendung auf die meisten Stauden noch nicht ausgereift. Vor der Standortamplitude gilt es deutlich weniger Respekt zu zeigen, da sie im Zweifel die nicht ganz korrekte Anwendung der Lebensbereiche, er nennt sie richtiger: Gartenbereiche toleriert. Nach 6 Seiten ist dann aber auch Schluss mit der Theorie und er wechselt schnell zur Praxis, wie man Staudenbeete richtig anlegt.
Was mir richtig gut gefällt, sind die verschiedenen Blickwinkel, die er auf das Thema Stauden und Gräser wirft. Ob im Zusammenhang mit Unkrautmanagement, der Vermehrung, einer näheren Betrachtung des Gartenbereiches oder als Lieblingsstauden-Porträt, ist sein Buch auch in didaktischer Hinsicht vorbildlich.
Die Fotografie ist angemessen glaubwürdig und auf einem wirklich sehr guten Niveau. Bei einigen Motiven würde ich mir mehr Kontext, insbesondere Himmel wünschen. Man kann sich immer viel wünschen…    * * * * *

Meine Welt der Stauden. Staudenbeete anlegen, pflegen und verändern. Christian Kreß. 2017. 224 S., 220 Farbfotos, geb. mit SU. ISBN 978-3-8001-0834-3. € 29,90

Erhältlich ist es im lokalen Buchhandel oder direkt beim Ulmer Verlag.

Jonas Reif: CityTrop

CityTrop (Buchcover)
Jonas Reif: CityTrop

Kaum jemand aus einem normalen Berufsfeld wird sich vorstellen können, dass es Menschen gibt, die ins Ausland reisen, um sich dort unter anderem öffentliches Grün, wie zum Beispiel bepflanzte Verkehrsinseln anzusehen.
Das Land der Leitkultur, der Romantik und der Autobahnen ist in Wahrheit – und da täuschen und trösten uns auch sämtliche Gartenzwerge nicht hinweg – eher ein Entwicklungsland, wenn es um Gartenkultur oder konkret hier: das Grün im urbanen Raum geht. Zum Zählen der Gegenbeispiele reichen die zwei Hände eines Sprengmeisters aus. „Jonas Reif: CityTrop“ weiterlesen

Schattenstauden. Die dunkle Seite Ihres Gartens

Buch-Cover von Schattenstauden. Die dunkle Seite Ihres Gartens„Schatten? Ist doch einfach zu bepflanzen!“ Dieser Ansicht sind viele Gartenplaner, bei denen Massenpflanzungen von Dreiblättriger Waldsteinie, Bergwald-Storchschnabel, Funkien, Immergrün oder Bergenien das höchste der Gefühle – und gerne auch des Budgets – sind. Katrin Lugerbauer erwähnt diese Stauden in ihrem neuen Buch Schattenstauden immerhin. Einige davon zusammen mit Akelei im kurzen Kapitel über ‚Unkräuter‘ [sic!]. Ihr Fokus liegt aber eindeutig auf Vielfalt, einer gut abgestimmten, harmonischen, die bei aller Feindynamik auch den Mut zur Üppigkeit wagt.

„Schattenstauden. Die dunkle Seite Ihres Gartens“ weiterlesen

Avantgardening

AvantgardeningNun ist es offiziell:

Am 19. Januar 2017 erscheint mein erstes Gartenbuch im Verlag Eugen Ulmer.

Avantgardening
Plädoyer für gegenwärtiges Gärtnern

192 Seiten
119 Farbfotos von Jürgen Becker
Flexcover
ISBN 978-3-8001-0872-5
€ 29,90

Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten des Verlags.

Ein faszinierender Stauden- und Gräsergarten von Hermann Gröne

Hermann Gröne: Ein faszinierender Stauden- und GräsergartenDie Deutsche Verlags-Anstalt, kurz DVA, hat eine eigene Reihe Das Gartenportrait aufgelegt, um sich einzelnen, herausragenden Privatgärten zu widmen. In dieser Reihe ist nun Hermann Grönes neues Buch „Ein faszinierender Stauden- und Gräsergarten“ erschienen. Ein ganzes Buch (mit immerhin 96 Seiten und 120 Fotografien) über einen einzigen Garten? Noch dazu über den eigenen Garten, da Hermann Gröne Besitzer, Planer, Gärtner, Autor und Fotograf des Gartens in einer Person ist? Kann man in all diesen Gewerken die erforderliche Expertise aufbringen? Die kurze Antwort lautet: Ja, man kann! In der Rheinischen Post war neulich zu lesen: „Grönes Garten ist 20 000 Quadratmeter groß“ und in diesem Satz steckt deutlich mehr Wahrheit, als es die verrückte Dezimalstelle vermuten lässt. Denn wer das Buch auch nur mal quer gelesen hat, wird kaum vermuten, dass sich diese Vielfalt an Pflanzen, Situationen und Ausblicken in einem Areal von 2.000 qm abspielen kann. Nun liegt ein Grund in der zeitlichen Entwicklung des Gartens, die er nun seit mehr als 10 Jahren fotografisch dokumentiert. Als regelmäßiger Besucher des Gartens erkennt man aber sämtliche Beete und Ausblicke wieder, selbst wenn die Fotos bereits einige Jahre alt sind. Hier zeigt sich auch die besondere Qualität des Planers, der großen Wert auf langlebige Pflanzungen legt. Regelmäßig richtet sich der Blick aufs Detail einer besonderen Kombination oder Pflanze, gerne auch in Form der Makrofotografie, welche oft erst die besondere Schönheit einer Blüte oder eines Samenstandes offenbart. Das Buch ist nach Lebensbereichen grob strukturiert und begleitet den Leser dort durch die Jahreszeiten. Beschrieben werden die besonderen Pflanzenkombinationen und regelmäßig gibt es Exkusionen in seine Inspiration(en). Auch das methodische Arbeiten (Stichwörter: „gestalterisches Unkrautjäten“, „bedecktes Pflanzen“, „Abräumen“) wird kurzweilig bis instruktiv eingebunden. Dabei müssen seine Leser keine Staudenspezialisten sein. Die Lektüre hilft aber dabei, welche zu werden. Das liegt auch daran, dass Hermann Gröne über ein erstaunliches Sortenwissen aus den aktuellen Sortimenten der Gärtnereien verfügt. Im Buch sind ein paar Bilduntertitel vertauscht worden, was man aber schon mit geringem Staudenwissen erkennen kann. Ein faszinierender Stauden- und Gräsergarten kostet € 19,99 [D] (ISBN 978-3-421-03890-6) und kann in jeder Buchhandlung bestellt werden. Weitere Infomationen auf der Webseite des Autors und bei der Verlagsmutter Randomhouse.

Fabaceae, Gesellschaft Schweizer Staudenfreunde

Lupinus chamissonis

Im jährlichen Turnus publiziert die GSS kleine, handliche Hefte zu mal mehr mal weniger populären Pflanzenfamilien (Schwerpunkt Stauden), die sogenannten Jahrbücher. Die Autoren/Redakteure betrachten hier nicht nur gärtnerische Aspekte, sondern beziehen Ökologie im weiteren Sinne, Herkunft, landwirtschaftliche Verwendung bis zu jeglicher Form von Anwendung (Ja, auch Rezepte.) ein, sogar die Kunst wird kompetent nach Vertretern der Familien durchleuchtet.

Die aktuelle Ausgabe widmet sich den Schmetterlingsblütlern, konkreter den etwas weiter gefassten Fabaceae, von Amicia zygomeris über Glycyrrhiza (Neben dem Süßholz glabra gibt es ja die sehr gartenwürdige Glycyrrhiza yunnanensis.) bis zu Lupinus (Meinen Favoriten Lupinus chamissonis hat man vergessen! Wieso?) und Vicia unijuga. Konkret wird die Lupine nicht nur als Bodenfutter sondern auch als alternativer Lieferant von Proteïnen vorgestellt.

Leider sind bereits viele Jahrbücher vergriffen.
Das aktuelle über Fabaceae kann man hier online bestellen.

„Stauden in Garten und Natur“ von Roger Phillips u. Martyn Rix

Stauden in Garten und Natur von Roger Phillips und Martyn RixManchmal fragt man sich, wieso ein Buch, dass im Antiquariat und bei Online-Auktionen in der Regel für EUR 70,- (eher selten) bis 250,- (kein Witz!) den Besitzer wechselt, nicht neu verlegt wird.
An der inhaltlichen Qualität von Texten und Fotos kann es beim besten Willen nicht liegen. Neben einigen anderen ist es erstes und ständiges Nachschlagewerk bei der Recherche nach Stauden.

Neben einer kurzen Beschreibung, die auch Blütezeit und das natürliche Vorkommen umfasst, gibt es zumeist sehr aussagekräftige Fotografien vom Naturstandort oder der Staude in Gartenkultur. Die Anordnung nach Blüte in den vier Jahreszeiten und dort nach Familien ist etwas gewöhnungsbedürftig. Das Register listet neben den (damaligen) botanischen auch viele der deutschen Namen.

2.500 Staudenarten  und -sorten
Auch nach häufiger Lektüre bleibt diese Buch interessant, auch weil es die Gartenwürdigkeit vieler sogenannter Naturstauden aus aller Welt weniger in Frage stellte. So findet man hier bereits (1992) Epimedien in ihrer Heimat beschrieben, die uns heute von einigen Gärtnereien als aktuelle Neuheiten verkauft werden. Während auf der einen Seite Farne, Gräser und Knöteriche auch aus damaliger Sicht eher unterrepräsentiert waren, widmen die Autoren der Iris ganze 46 Seiten.

Stauden in Garten und Natur (479 Seiten, Droemer Knaur (1992), ISBN-10: 3426265907) ist seit vielen Jahren vergriffen. Leider!

Weitere Publikationen Phillips/Rix
Das Erfolgsduo Phillips und Rix hat viele interessante Publikationen zu verantworten, die meisten sind ebenso vergriffen.
„Das Kosmosbuch der Zwiebel- und Knollenpflanzen“, Kosmos
„Rosen – Mehr als 1400 Rosen“, Droemer Knaur
„Sträucher – 1900 Sträucher in Farbe“, Droemer Knaur

Von „Gemüse in Garten und Natur – Mit über 650 Gemüsearten“, Droemer Knaur, zu einem späteren Zeitpunkt mehr.

„Der Garten – Eine Kulturgeschichte“ von Penelope Hobhouse

der-gartenAuch wenn die Saison so schnell noch nicht am Ende ist, wird es Zeit, hier einmal ein paar Lieblingsbücher vorzustellen.

Begonnen wird diese Rubrik mit einem 2007 in deutsch erschienen und reich illustrierten Prachtband der nordirischen Autorin und Gartendesignerin Penelope Hobhouse: Der Garten – Eine Kulturgeschichte (ISBN 978-3-8310-1079-0) bei Dorling Kindersley. Auf 468 Seiten zeichnet sie einen kulturhistorischen Aufriss auf legendäre Gärten aus aller Welt und allen Epochen. „„Der Garten – Eine Kulturgeschichte“ von Penelope Hobhouse“ weiterlesen